Woher kommen unsere Werte und Moralvorstellungen?

Gedanken und Wiedergabe eines Vortrags von Prof. Dr. Stephan Holthaus, Rektor der FTH Gießen. Die Gedanekn allerdings sind von mir - einem Laien


Dieser Blog fängt ja schon gut an.

Mit einer langweiligen und einer lange Überschrift.

Nun denn.

 

Ich mag beides.

 

 

Unlängst wurde ich Zeugin eines Vortrags des genannten Herrn.

Ich würde gerne diesen Vortrag aus Gründen der allgemeinen Bildung weitergeben, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass ich einige Dinge etwas anders sehe, als der gute Mann, aber er hat studiert und ich bin noch dabei, von daher bilde sich jeder seine Meinung selbst. Ja gut, meistens habe ich ihm sowieso zugestimmt, aber wie dem auch sei, ich versuche den Vortrag so wiederzugeben, wie er aus meinen Notizen, die ich währenddessen machte ersichtlich ist, das heißt aber nicht, dass er alles genauso gesagt haben muss, wie ich das eben jetzt noch rekonstruiere. Beachte dies, junger Padawan, aber nun denn:

 

Was ist Ethik?
Mit dieser großen Fragestellung startete die sachliche Ebene für mich an diesem Abend und ich war gespannt wie diese für mich philosophisch angehauchte Problematik gelöst würde. Im Endeffekt wurde mir mitgeteilt, dass alles Ethik wäre, was Nachdenken über richtiges und falsches Handeln beinhaltet. Das fand ich einfach und nett, hatte aber auch den Eindruck dass diese Information stark auf das Publikum herunter vereinfacht war.

Übrigens war Aristoteles einer der allerersten Ethiker. Was mich etwas traurig stimmt, denn das erinnerte mich daran, dass mein Antennenwels Sokrates erst neulich verstarb. Immerhin lebt Platon noch.

Weitere Ethiker, die nicht in meinem Aquarium schwimmen, sind Augustin (ein Kirchenvater), Luther (der Luther) und Bonhoeffer (der Mann, der im KZ noch sehr optimistische Briefe und Lieder geschrieben hat. Die Briefe sind wirklich lesenswert!). 

Unter Ethik als solches kann man auch unveränderliche Leitlinien des Handelns verstehen. 

Ok. Bis hierhin hatte ich keine Ahnung vom Thema, hatte aber von diesen wichtigen Männern schon gehört und Ethik so kurz zusammen zu fassen erschien mir sehr gut gewählt, ohne dass ich einen Plan hätte, wie man es sonst hätte machen können.

 

Was ist Moral?

Etwas anderes als Ethik, denn Moral sind Vorstellungen von Ethik, die an Zeit und damit an den Kontext gebunden sind. Es ist ein ähnlicher Rahmen, aber andere Details. 

In einigen sozialen Gruppierungen galt z.B. die Musikrichtung des Rocks, oder Kinogänge als moralisch verwerflich. Auch eine Fragestellung der Moral ist wie man sich beim Gang in die Gemeinde kleidet.

Nun klingt Moral also ziemlich spießig, doch sie kann noch so viel mehr sein als das, nämlich interessant, wenn man sie z.B. in anderen Kontexten als früher in Deutschland - heute in Deutschland betrachtet.

So gilt Korruption in Deutschland generell als etwas sehr verwerfliches und wird so mal gar nicht geachtet. Oder Vetternwirtschaft.

In Afrika und Asien allerdings wurde berichtet, dass eben diese einen ganz anderen Stellenwert haben. Nicht nur weil sie praktiziert sondern eben warum sie praktiziert und akzeptiert werden. Das Prinzip der Vetternwirtschaft beruft sich nämlich auf den einfachen Grundsatz "Wenn du wirtschaftlichen Erfolg hast, lass deine Familie daran teilhaben" zurückführen.

Okok, das fand ich nicht den besten Vergleich, da Rock hören und Kinogänge sich als ungefährlich erwiesen haben, Korruption allerdings nicht so wirklich positive Seiten hat, außer für die wenigen, die davon profitieren..nunja. Aber gut.

 

Was sind Werte?

Es sind weltanschauliche Grundlagen, die an ein Menschenbild gekoppelt sind und von Moral und Ethik als Fundament genutzt werden.

Allerdings würde der Begriff heute überstrapaziert werden.

Dem stimme ich prinzipiell zu, weiß allerdings noch nicht wirklich ob die Moral die Werte als Fundament nehmen, oder es nicht so andersherum ist. Doch vielleicht bietet der nächste Punkt dazu eine Aufklärung.

 

Woher kommen Werte?

Nun kam der Hauptteil des Vortrags...von dem ich das meiste allerdings schon wusste. Ich nehme das als positives Beispiel meiner Schulbildung, denn die Sinusmilieustudie war mir seit der 8. Klasse durchaus geläufig, aber vielen anderen der Zuhörer nicht. Von daher kann ich hier niemandem einen Vorwurf machen, eigentlich bin ich ganz glücklich, wie Herr Holthaus das System der Milieuforschung vorstellte, denn er hat deutlich betont, dass es hilft einen groben Überblick über die Gesellschaft zu erstellen, dass man aber damit nicht alle in Schubladen stopfen kann. 

Was man auch sofort gemerkt hat als er meinte, naja die meisten Anwesenden und die Jugendlichen, die Sie so erreichen kommen wohl aus dem konservativ-etablierten Milieu..was bei uns vielleicht auf die Hälfte zutrifft. Aber das kann er nicht wirklich wissen, obwohl er auch CVJM Vergangenheit hat (der Ort an dem der Vortrag gehalten wurde), denn wir sind schon ein bisschen special. Aber um weiter darauf einzugehen, was er vortrug:

Das soziale Milieu prägt, der Zeitgeist prägt, die Familie prägt, aber auch z.B. der geographische Standpunkt. Bildung und wirtschaftliche Lage prägen laut Aussage des Referenten aber nicht so sehr, wie meist angenommen.

Zum Zeitgeist kann man auch noch sagen, dass es nicht immer gut ist sich diesem anzupassen. Ist im Nachhinein vielleicht doch nicht so chic nichts gegen Judenverfolgung zu unternehmen, obwohl der Zeitgeist das gerade hip findet..das hat er nicht gesagt, aber ich.

Auch die Lebensgeschichte und dei Religion prägt die Werte, an die man sich hält und die man pflegt.

 

Religion als Wertvermittler

Fast jede Religion hat eine Ethik. 

Kaum etwas hat die Weltgeschichte so sehr geprägt wie die Ethik der Religionen (wenn ich ihn richtig verstanden hab).

Doch was ist die Funktion der Ethik in Religionen?

Bei den meisten Religionen müssen die Glaubenden die Ethik erfüllen, um zu Gott zu kommen. Im Christentum ist das anders - die Ethik ist nicht die Voraussetzung, sondern der Ausdruck und das Ergebnis des Glaubens. Es ist erst die Folge von dem Verständnis, dass Gott zum Individuum gekommen ist.

So ist die wohl bekannteste Ethik die der 10 Gebote im Alten Testament bzw der Tora.

Dieser Ethik ist eine Präambel, also eine Einleitung vorgeschaltet, wie das bei Einleitungen so ist, sie stehen vorne, die wie folgt lautet: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland befreit hat (oder auch: I bims, der Herr d1 Gott).

Diese Präambel erklärt den Sinn der 10 Gebote, bzw. gibt ihnen Sinn, denn es ist der Hinweis auf die Beziehung mit Gott und die Befreiung, die der Ethik voraus geht. Es muss nicht die Befreiung eines ganzen Volkes sein, sondern auch die Befreiung des Individuums (aber um das wirklich zu erklären, müsste ich nochmal einen sehr langen anderen Blogeintrag verfassen..). Luther fasste das zusammen mit dem Satz: Erst das Kreuz, dann die Gebote. Denn das Kreuz, steht wie die Präambel für die Beziehung und Befreiung.

Holthaus meinte dann, dass die Pharisäer (gesetzestreue Juden) das nicht verstanden und dass Jesus deshalb so rabiat mit ihnen brach. Das sehe ich v.a. nach intensivem Studium des Johannesevangeliums und der darin enthaltenen Problematik rund um den Antijudaismus anders. Aber nun denn. Da ist sich die Wissenschaft teilweise wirklich noch nicht einig..was ich etwas unverständlich finde.

 

Spannenderweise erwähnte der Referent, dass jeder Kulturkreis bestimmte Normengerüste teilen würden, wie z.B. die Angewohnheit sich aus Scham zu bekleiden. Er erwähnte zwar auch, dass es einige Naturvölker gäbe, die recht leicht bekleidet seien, oder gar nicht, es aber unsittlich wäre dann bestimmte Stellen des Gegenübers zu betrachten. Das kann ich mir kaum vorstellen, dass das tatsächlich in allen Stämmen die es so gibt, ist, aber kann ich wieder nichts dagegen vorbringen^^ Manchmal finde ich meine Unwissenheit schon das größte Problem, weil ich mir in der Uni angewöhnte das meiste, was mir erzählt wird, kritisch zu hinterfragen.

Wohin aber eigentlich übergeleitet werden sollte, war der Hinweis, dass jedem Menschen ein Gewissen innewohnt, von Gott hineingelegt, ähnlich einem Naturgesetz, was aber nicht unfehlbar ist und geeicht werden muss (z.B. durch Bibelstudium). Es löst ein Ahnen von einem Gott oder Schöpfer aus und ist unterschiedlich stark ausgeprägt.

Mit diesem Gedankengang konnte ich nicht so viel anfangen, da es so viele Menschen gibt, die anscheinend ein so fehlerbehaftetes Gewissen haben (mich inbegriffen), dass sie immer wieder dazu verleitet gegen Ethik, Moral und Werte zu verstoßen. *seufz*

 

Des Weiteren wurde ein nicht näher bestimmter Begriff eingeführt: Normen.

Der Unterschied nämlich zwischen ewigen und zeitbedingten Normen wäre in der Bibel fest zu machen. Denn wenn man ethisch leben möchte, dann aus der Gnade und nicht aus dem Gesetz heraus.

Folglich sagte er, was in der Bibel steht, sind die ewigen Normen...was ich ein wenig schwierig finde im Sinne der Kontextualisierung mit der ich mittlerweile die meisten literarischen Werke genieße..

 

Ich stelle fest: Er hat sehr viel gesagt, was ich wusste und einiges, womit ich nicht einverstanden war, oder vielleicht einfach nicht ganz verstanden hab.

Warum ich das trotzdem teile: Hinterfragt kritisch und nehmt euch nach einem Vortrag Zeit nochmal mit dem Referenten zu reden...das hab ich nicht geschafft und ärger mich jetzt. Nunja. Immerhin hat es mich zum Nachdenken angeregt (:
Gönnt euch kostenlose 'Weiterbildungen', das ist nie verkehrt ♥

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