Dinge, die ich will - Blitzgedanken - 2


Erstmal hab ich natürlich überlegt, ob ich nicht sagen sollte „Dinge, die ich möchte“. Aber manchmal hab selbst ich keine Lust auf Friede Freude Kompromisseierkuchen. Weil Eierkuchen schmecken eben besser mit Milch, als mit Hafermilch. Für mich.

Und das sind dann Sachen, die so sind und was ich will ist dem ja sehr ähnlich.

Also für mich.

Dass das für andere keinen Zusammenhang hat, ist eben so.

 

 

Aber es gibt so vieles, was ich mir wünsche, was ich besitzen möchte, was ich erleben möchte, was ich will, dass andere zu mir sagen und über mich denken. Sachen, die ich sehen will, wie sie sich verändern, oder für immer gleich bleiben.

 

Es gibt einiges, wie ich finde, was ich mir vormache, dass ich möchte. Und will.

Und vieles davon kann ich nicht umsetzen, oder schaffe ich nicht umzusetzen.

Weltfrieden oder so Sachen.

.. gleich nach Weltfrieden Abnehmen zum Beispiel.

Ähnlich schwierig.

 

Ich will aber auch ein Haus in Frankreich, das ich renoviere.

 

Und ich will mit einem Seil sehr gut gesichert mich von Stromschnellen hin und herreißen lassen.

 

Ich will, dass man mir sagt, wie gut ich bin.

 

Wie gut ich singen kann.

Wie schön ich aussehe.

Wie klug ich bin, weil ich Sachverhalt X gut erklärt habe und sehr viel Ahnung in Gebiet Y habe.

 

Und wie sehr man mich braucht.

 

Und wie gut das war, dass ich geholfen habe und man mich deswegen jetzt nicht mehr akut braucht, aber dass es ohne mich nicht geklappt hätte.

 

Ich will das.

Weil aus den Sätzen dieser Art, die mir Menschen entgegen bringen (oder eben nicht) ich meinen Wert schöpfe. Oder eben nicht.

 

Und weil ich aus den Sachen, die ich besitze meine Identität erschließe.

Oder eben nicht.

 

Und weil mich die Dinge, die ich erlebe, verändern.

Oder eben nicht.

Wenn ich sie nicht erlebe.

 

Ich habe lange Zeit viel zu wenig gesagt, was ich will. Was ich mir wünsche.

Und bin immer noch sehr vorsichtig, wem gegenüber ich was äußere.

Also wirklich wünsche. Eigentlich brauche.

Weil es auch so schwer ist das selbst herauszufinden.

 

Schnell kommt man in die Bredouille als egoistisch oder überheblich zu gelten. Obwohl man doch nur für das, was man geleistet und geopfert hat wertgeschätzt werden will.

Oder man tritt damit genau denen auf die Füße, die sich das auch wünschen. Aber anstatt das zu äußern dann fahrig werden und verärgert, wenn man es anspricht.

(Manchmal sind es auch die Systeme und nicht die anderen Menschen, die nicht wertschätzend sind, aber das wäre ein anderes Thema. Ein sehr langes.)

 

Ich will auch noch so viel lernen.

 

Nicht nur weil Wissen Macht ist, sondern auch super interessant.

Es ist einfach schön sich mit vielem auszukennen und nicht erst nachschlagen zu müssen. Bzw wenn man recherchiert zu wissen auf welche Quellen man sich verlassen kann.

 

Ich würde gerne mehr Sprachen lernen und Instrumente.

Praktische Dinge.

 

Verschiedene Sportarten und Tanzstile beherrschen.

 

Aber neben Zeit, Geld und Freunden, die ich für letzteres begeistern könnte, fehlt mir auch manchmal die Energie dazu.

 

Und irgendwann bin ich wieder an dem Punkt an dem ich mir überlegt habe, was ich alles will.

Was ich mir wünsche.

Was nicht mal unbedingt Ziele sind, denn Ziele sind terminierte und realisierbare Wünsche .. so grob.

Und dann steh ich da.

Und sehe was ich alles nicht habe.

 

Aber gleichzeitig sehe ich auch, was ich alles kann, bekomme, besitze, erlebe und erlebt habe.

 

Und bin in dieser fürchterlichen Ambivalenz zwischen super dankbar sein und dieser unendlichen Rastlosigkeit.

Und das nervt mich so sehr.

 

Rastlosigkeit verfolgt mich schon sehr lange und sie ärgert mich.

Sie lässt mich nicht ankommen.

 

Gerade bin ich an einem Lebensabschnitt angekommen an dem ich weiter rennen möchte, aber auch unbedingt ankommen will.

Und beides gleichzeitig scheint mir so schwierig zu vereinbaren zu sein.

 

Ich will nicht still stehen. Ich will nicht stagnieren.

 

Ich will neues sehen. Immer und immer wieder.

Ich will mich überraschen lassen.

 

Aber ich will auch Sicherheit und Dinge einschätzen können.

 

Und irgendwann bin ich an einem Punkt, an dem ich neulich eine junge Dame im persönlichen Gespräch etwas erschreckte: Ich bin lebens-müde. Des Lebens müde.

Ich erwähnte es des häufigeren.

Mich macht das Leben müde in dieser Ambivalenz.*

 

Diese Müdigkeit zieht sich durch ungefähr alle meine Lebensbereiche:
Ich hab Bock in der Uni zu lernen und kann mich gleichzeitig nicht aufraffen.

Ich habe Ideen, wie ich meinen Verein umgestalten kann, aber trau mich nicht in die Feinplanung zu gehen.

Ich will Herbstspaziergänge machen, aber bleib trotzdem drinnen sitzen, weil ich mich selbst unten halte, da mir irgendwie nichts den Antrieb des ersten Schritts geben kann.

 

Und Dinge zu wollen, aber doch nicht zu wollen, sie aber wiederum nicht nicht zu wollen, also doch zu wollen... ist auf Dauer einfach nervig und anstrengend.


Ich muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen – nur mir. Und das reicht mir wirklich.

Und so ganz genau weiß ich auch nicht, was ich mit diesem Blog eigentlich wollte, außer mich mitteilen.

 

Vermutlich einfach zu sagen, dass es mir sehr gut geht, aber ich so viel will, weil mir theoretisch so viel offenstünde, aber nicht praktisch, dass ich darüber ganz narrisch werde.

Solange genieße ich einfach bestmöglichst das, was ich habe, kann und darf und gönn mir ab und an was von der Wunsch-Will-Liste.

 

* Ich bin derzeit nicht suizidal o.Ä., um das gleich vorweg zu nehmen und sollte ich es wieder werden, habe ich genug Schutzsysteme aufgebaut.

Aber wie gesagt: Derzeit geht es mir diesbezüglich sehr gut.

 

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Flusensieb (Montag, 19 November 2018 12:30)

    Ich sollte mir auch mehr Dinge aufschreiben, da ich meine Ziele viel zu schnell aus den Augen verliere und der Müdigkeit erliege und mich lieber vor den Computer langweile als vorran zukommen. Ein Freund von mir hat zu Eigenmotivation ein riesiges Plakat in seinem Schlafzimmer hängen, auf dem Fett 5 Minuten steht. Er erklärte mir das er jeden morgen 5 Minuten an seine Ziele denkt und wo er sich in 10 Jahren sieht. Ich wünschte ich könnte mich auch so motivieren... Tja.