Sinnloses Denken

Ich gehe los.

Durch die Straßen.

 Hab schon wieder was zu kaltes angezogen. Ich denke, dass ich davon einen klaren Kopf bekomme, aber meist ist es doch nur eine Erkältung. Als ob sich die Gedanken von Kleidung beeinflussen lassen würden. Sie drehen sich einfach immer weiter, wie die Erde. Die stört es ja auch herzlich wenig mit was sie bedeckt ist.

Mir ist egal wohin ich laufe.

Meinen Gedanken wohl auch.

Wie immer kreiseln sie um die ironisch oft wiederkehrenden Fragen. Warum ich. Wo bist du. Und wohin wird das führen.

Alle drei kann ich mittlerweile ausreichend für andere beantworten. Für mich reicht allerding ‚Weil das jeder mal erlebt‘ ‚ist doch eigentlich egal, wo der schon wieder ist, ist doch eh schon passiert‘ und ‚das Leben kann man eh nicht bestimmen, das läuft einfach so weiter‘ nicht aus. Und mit der letzten Antwort stimme ich noch nicht mal überein, aber die meisten mögen solche einfachen Lösungen eben doch.

Ich erkenne die Häuser hier nicht mehr.

Ich gehe recht langsam im Gegensatz zu meinen rasenden Gedanken.

Dieser Straßenname kommt mir bekannt vor.

Verschmelzen die Städte etwa schon hier?

Bleibe kurz stehen.

Gönne mir eine kurze Pause vom Gedankenmarathon, um diese unwichtige Frage einfließen zu lassen. Bin schon so weit weg und doch keinen Schritt weiter.

Mach es meinen Überlegungen gleich und drehe mich einmal um mich selbst.

Die von den Straßenlaternen gut beleuchtete Kreuzung der Wohnsiedlung mit den kleinen Gärten ist menschenleer, so als schaute ich in mich.

Schon lange hat sich dort niemand mehr blicken lassen.

Liegt vielleicht am Todesstreifen, den ich um mich aufgebaut hab.

Wer über die Schutzmauer aus ‚nervig sein, ‚fremd bleiben‘ und ‚mit persönlichen Informationen zuschütten‘ klettern konnte, wird überschüttet mit Salven aus Zweifeln … unter anderem auch Selbstzweifeln. Wer es dann noch darauf anlegen möchte ins Stadtinnere meiner Seelenbauten zu kommen kann sich noch auf die Burggräben voller ätzender und giftiger unverarbeiteter Vergangenheiten freuen.

Gehe weiter.

Ist ja auch egal, obwohl…

Ach wenn weder Gebet, Geduld noch Gespräch die Gedanken ordnen, zum Schweigen bringen, ausrotten oder wenigstens verstummen lassen können, was nutzt es dann eigentlich?

Bleibe wieder stehen.

Die Laternen hören hier auf.

Rolle mich auf dem Bürgersteig im Lichtkegel zusammen.

Wünschte mir, dass du mir die Tränen, die ich nicht weinen kann, wegwischt.

Hachja in Selbstmitleid zu ertrinken ist definitv in den Top10 meiner Lieblingsarten zu sterben. Aber was kann ich denn auch dafür wenn ich

Lasse das doch lieber ungedacht.

Stehe auf.

Mich friert.

Stoße ein neues Karusell an: Was kann man verhindern? Warum sind Menschen so bösartig?

Gehe zurück.

Sollte aufhören unlösbares knacken zu wollen.

Hat ja doch keinen Sinn, ist aber wohl einer der wenigen Dinge, dich ich richtig gut kann. Sinnloses Denken